Tag 7 von Nocturne zum Thema Nichtraucher Tagebuch - Mi, 07.03.2007

Am Dienstag dem 27.02.2007 rauchte ich um 04:00 Uhr morgens wie jeden Tag meine Zigarette. Um diese Zeit stehen viele berufstätige schon wieder auf, für mich jedoch war es die alltägliche "Gute-Nacht-Zigarette". Es war die typische obligatorische Zigarette...so wie die Zigarette nach dem Essen, nach dem Sex, zum Kaffee usw. Ich ahnte nicht, dass es meine letzte werden sollte und ging zufrieden zu Bett.

Den Gedanken ans Aufhören trug ich schon eine ganze Weile mit mir herum. Mit 18 Jahren rauchte ich meine erste Zigarette. Seitdem sind nun 6 Jahre vergangen und schon bald erkannte ich, dass Rauchen eine Sucht ist. Mir war demzufolge klar, dass ich süchtig bin - da machte ich mir gar nichts vor. Auch war mir klar, dass es ungesund ist, immer mehr Geld kostet und es absolut keinen einzigen Aspekt gibt, der dafür sprechen würde zu rauchen - und dennoch rauchte ich. Ich dachte stets, dass ich nie werde aufhören können, weil bei mir einfach der Wille danach zu schwach ist. Es ist eben bequemer sich einfach eine anzuzünden, wenn der Körper danach verlangt - warum sollte man sich auch unnötig quälen?

Dennoch reifte in mir der stete Gedanke irgendwann mit dem Rauchen aufzuhören. Im Internet recherchierte ich nach verschiedenen Möglichkeiten und interessierte mich dabei überwiegend für die am Markt etablierten Ersatzpräparate in Form von Kaugummis und Pflastern. Die Kunden-Meinungen in Foren und auf einschlägigen Seiten waren überwiegend positiv und so besorgte ich mir eine Packung Nikotin-Kaugummis. Ich wollte erstmal sehen, ob die Dinger überhaupt eine Wirkung haben und wenn ja, wie stark diese ausfallen wird. Mein erster Test war bereits ein voller Erfolg: mit nur 2 Kaugummis überstand ich einen reichlich 6 stündigen Video-Abend ohne Zigarette und auch ohne ein größeres Bedürfnis danach zu haben. In derselben Zeit hätte ich sonst locker mindestens 3 Glimmstängel durchgezogen.
Die zweite "Testreihe" begann ich dann vor 2 Wochen: ich wollte sehen, wie ich mit den Kaugummis genau die Situationen zu überbrücken vermag, in denen ich für gewöhnlich rauchte - die bereits genannten obligatorischen Zigaretten. Bei verschiedenen Tests zur Einstufung des Schweregrads der Abhängigkeit, tauchte stets auch die Frage auf: "Wie viele Minuten nach dem Aufstehen rauchen Sie für gewöhnlich ihre erste Zigarette?". Die Antwort war auch stets sehr ausschlaggebend für das Endergebnis des Tests. Ich schloss also daraus, dass man bereits daran gut feststellen kann, wie abhängig man ist. Und stets setze ich mein Kreuz beim ersten angegebenen Intervall, was so in etwa "unmittelbar nach dem Aufstehen" entspricht.

Ich nahm mir also vor, die erste Zigarette des Tages mittels der Kaugummis zu weit wie möglich hinaus zu zögern. Auch hier erreichte ich beachtliche Erfolge: ich übersprang die "Guten-Morgen-Zigarette" , die Zigarette auf dem Weg zur Arbeit und die Zigarette vor Arbeitsbeginn. Ich trank auf Arbeit zunächst gemütlich einen Kaffee und ging schließlich erst gut 1,5 Stunden nach dem Aufstehen meine erste Zigarette rauchen. Ich fühlte mich prächtig.

Vorige Woche Dienstag war es dann soweit: ich stand auf, ging ins Bad, warf den Kaugummi ein, schnappte mir meine 14 am Vorabend gestopften Zigaretten und begab mich auf Arbeit. Am Abend kam ich nach Hause und hatte immer noch meine 14 gestopften Zigaretten in der Tasche. Was war passiert?
Am Tag zuvor Stand ich, wie jedem Morgen nach meiner Tasse Kaffee, bei meiner ersten Zigarette vor der Tür, als mir plötzlich im Stehen das Bein einschlief! Der Zustand besserte sich im Tagesverlauf nur unwesentlich, sodass ich am Abend beschloss: sollte das am nächsten Tag nicht besser sein, rauche ich keine Zigarette mehr! Vielleicht sollte das der Anlass zum Aufhören sein. Heute, eine Woche später, habe ich die Bestätigung dessen.

Seit letzter Woche lebe ich auch bewusster: Ich esse mehr Obst, mache während meiner Mittagspause einen kurzen Spaziergang (meist zur Tanke, um mir Kaugummis oder Bonbons zu holen) und bewege mich insgesamt mehr. Da ich die meiste Zeit des Tages vorm PC sitze, tut dies auch Not. So stehe ich auf Arbeit nun regelmäßig auf, strecke mich kurz oder gehe eine Runde um den Schreibtisch. Das ganze ist auch gleichzeitig ein guter Ersatz für die "Gedankenpause-Zigarette". Die Nikotin-Kaugummis nehme ich übrigens seit dem ersten rauchfreien Tag nicht mehr, da ich mir einbildete, dass die Durchblutungsstörungen in meinem Bein auch damit zusammen hängen könnten. Ob das stimmt oder nicht, wird sich noch zeigen. Beim Arzt war ich deswegen noch nicht - seit heute ist auch eine Besserung der Beschwerden fest zu stellen.

Tag 8