... und somit der erste große Meilenstein: ein halbes Jahr rauchfrei!
Man, wer hätte das gedacht. Doch damit gleich zum status quo: ich bin noch nicht vollständig darüber hinweg und das wird wohl auch noch länger so bleiben. Zwar denke ich aus "eignem Antrieb" nicht mehr an Zigaretten. Wenn ich irgendwo warten muss, werde ich nicht mehr unruhig und habe somit nicht mehr das Bedürfnis, diese Unruhe mit einer Zigarette verdrängen zu müssen. Wenn ich am PC sitze und programmiere, dann fehlt mir nichts. Ich brauche keine Ersatzstoffe oder irgend etwas um mich abzulenken. Ich denke in keiner Situation mehr: "Hach, jetzt wäre eine Zigarette ganz schön".
Doch, wenn mir der Duft von Zigaretten direkt in die Nase steigt, weil vielleicht unterm Fenster meines Büros sich ein paar Kollegen versammelt haben und sich ihre 5 Minuten gönnen. Oder wenn wir zum Feierabend noch kurz beisammen sind und die Mehrheit ihre "Feierabendzigarette" genießt oder wenn jemand frisch geräuchert zu mir ins Auto steigt. Dann ist das Gefühl wieder da und es ist stark. Teilweise sogar so stark, dass ich einen ganz kleinen Moment lang ernsthaft darüber nachdenke, ob ich nicht ... nein ich kann diesen Satz nicht beenden. Genauso wie ich den Gedanken in solchen Situationen stets verdränge.
Meine Argumente in solchen Situationen sind recht überschaubar: als erstes sage ich mir immer: "Hey, du hast jetzt ein halbes Jahr nicht geraucht und damit schon fast 500,- Euro gespaart". Und wenn ich mir die letzte größere finanzielle Investition anschaue, ist es ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass man den halben LCD-Fernseher quasi "geschenkt" bekommen hat
Verquerte Rechnung, ich weiß ... aber an irgendwas hält man sich eben fest.
Das ist das stichhaltigste Argument. Danach kommt schon erstmal eine Weile nichts mehr und schließlich der Punkt Gesundheit. Was man früher als aktiver Raucher stets verdrängt hat, indem man sich auf "nicht-repräsentiative Studien" und den Opa aus der Verwandschaft, der schon sein ganzen Leben lang raucht und trotzdem alt geworden ist, beruft, ist nun plötzlich das zweite Argument dagegen, wieder mit dem Rauchen zu beginnen.
Das dritte Argument ist die bereits geschaffte rauchfreie Zeit. Gerade jetzt, mit Erreichen des Meilensteins "halbes Jahr", fragt man sich natürlich schon, ob man all das Erreichte aufgeben will. Ob man die Chance den nächsten Meilenstein zu erreichen somit vertun will - insofern das dann überhaupt noch wichtig ist. Doch gleichzeitig kann man das natürlich auch von der anderen Seite sehen: jeder Tag ohne Zigarette ist bzw. war ein Gewinn. Ein Sieg über die Sucht.
Trotz dieser Gedanken, sehe ich mich nicht sonderlich gefährdet schwach zu werden. Ich erlebe schätzungsweise ein mal die Woche so ein starkes Verlangen, dass ich mir überhaupt derartige Gedanken mache. Ich denke, dass es wichtig ist, sich die "Vorteile eines rauchfreien Lebens" stets vor Augen zu halten. Ohne diese Argumente wäre es wesentlich schwerer, denn wie will man etwas erreichen, wenn man nicht einmal sicher weiß, warum man es erreichen will. Befindet man sich dann mal wieder in einem kritischen Moment und steht man ohne Argumente da, hat man eigentlich schon verloren.
Ich jedoch will mit dem 365. Tag den nächsten Meilenstein erreichen und zu mir sagen können: "Nach 6 Jahren Rauchen, endlich das erste Jahr ohne!" Mal sehen, wann sich die fiktive Anzahlung eines PKWs durch das gespaarte Geld amortisiert...