Joystick Döbeln - Ein Ersterfahrungsbericht von Nocturne zum Thema private void - Di, 06.11.2007

Am Wochenende war ich mit meiner Freundin und einer guten Bekannten mal wieder aus. Wir wollten uns einen neuen Club anschauen. Nun muss man dazu sagen, dass ich (seit kurzem) in Döbeln wohne und jeder der Döbeln kennt weiß, dass hier sonst nicht sonderlich viel los ist. Nun ja, vorher lebte ich auf dem Land und man will sich ja langsam steigern

Insofern ist es schon ein Stück weit etwas Besonderes, wenn ich sage, dass hier ein neuer Club aufgemacht hat. In vergangenen Tagen machte zwar die Diskothek "Staupitzbad" (kurz: Staupi) viel von sich reden und sorgte dafür dass auch heute noch vielen Auswärtigen Döbeln bekannt ist. Doch ich denke diese Zeiten sind unlängst vorbei. Die Lasershow ist mit Sicherheit noch eine der besten in der näheren und nicht mehr ganz so nahen Umgebung, aber wenn die Musik scheiße ist, nützt kein noch so gutes Alleinstellungsmerkmal etwas. Das ist in etwa so, wie ein Handy mit super tollem Display, welches jedoch beim Gespräch so stark rauscht, dass man den Gesprächspartner nur bei optimalem Empfang gut verstehen kann (was für ein Vergleich ^^).

Das scheinen auch die Betreiber des Staupis erkannt zu haben. Anders ließe sich meines Erachtens nicht erklären, dass beim Besuch des neuen "Joystick" am Samstag, wir doch alsbald feststellen mussten, wie ein Teil des ehemaligen Staupitzbades einfach zu diesem Zwecke abgetrennt worden ist. Nun ja, aber immer schön der Reihe nach.

Bevor wir loszogen, stand selbstverständlich die Frage im Raum: "wo ist das eigentlich?". Google zeigte uns dann, dass es Teil des "Staupis" sein muss, wie auch der Bounce-Club und die Tanzbar. Wohingegen die Tanzbar einen Sonderstatus einnimmt, denn sie hat einen separaten Eingang und erlaubt den Zutritt erst ab 25. Demzufolge war ich selbst auch erst einmal da drin ;)
Nach Jahren also mal wieder auf die Webseite des Staupis gegangen und siehe da: da hat sich was getan. Ich war positiv überrascht über den neuen Webaufritt. Die 4 Teilbereiche (Main-Area, Bounce-Club, Joystick und Tanzbar) sind sofort als solche zu erkennen und der Online-Flyer bestätigte uns darin, dass am hiesigen Samstag was los sein sollte. "Electro Minimal" und "Strictly House" klangen ganz nach unserem Geschmack
Allerdings wussten wir immer noch nicht so richtig, wo das Joystick sich denn nun befindet. Im Impressum bzw. in den Kontaktdaten stand lediglich das selbe wie bei den anderen Bereichen des Staupis. Wir zogen also los, ohne Recht zu wissen wohin, in der Hoffnung es schon zu finden. Zum Glück lag die Tanzbar im selben Gebäude und MainArea sowie Bounce-Club waren bisher nur verschiedene Floors des Staupis. So waren wir guter Dinge.

Als wir ankamen, fanden wir uns sofort zurecht. Ein Nebeneingang des ehemaligen Staupis wurde geöffnet, ein Alutruss war davor aufgebaut und ein Beamer warf Werbung mit dem Logo "Joystick" an die Wand. Da musste es wohl sein. Jeder, der schon einmal in einer Disko war, der kennt das übliche Prozedere:

  • mehr oder weniger lange anstehen
  • bezahlen
  • stempeln
  • rein

Da wir sehr pünktlich waren (schließlich weiß man bei einer Neueröffnung ja nie wie stark der Andrang sein wird) erübrigte sich der erste Punkt auch sogleich. Allerdings gab es beim sich unmittelbar daran anschließenden Einlass bereits mehrere kritische Momente, die beinah dafür gesorgt hätten, dass wir nicht hinein gekommen wären.

Das Mindestalter an diesem Abend betrug 21 Jahre, was wir bereits im Vorfeld den Flyern entnehmen konnten. Entsprechend vorbereitet waren wir und so ließen wir uns von der höflichen Aufforderung der Türsteher "N'abend. Ausweise!" nicht im geringsten irritieren. Für weniger gut Vorbereitete Club-Enthusiasten hätte dies bereits das Aus bedeuten können. Nachdem wir nun erfolgreich als "geeignet" befunden worden, ging es ans Bezahlen. Der Dialog mit dem Security-Kassierer, gestaltete sich insofern als schwierig, als dass man ihn aufgrund von Heiserkeit kaum verstehen konnte. Welch bizarre Situation, denn eine Persönlichkeit so monumentaler Statur, möchte man natürlich nur ungern mit wiederholten Verständnisfragen ärgern müssen. Insgesamt wirkten beide Türsteher jedoch etwas unbeholfen, was die Situation zugleich entspannte.
Nachdem nun jeder wusste, dass er stolze 7,- Euro zu berappen hatte, ging es daran den Bezahlvorgang einzuleiten. Wie eingangs schon erwähnt, erfolgte der Einlass über einen provisorischen Nebeneingang, der, nebst scheinbar ebenso provisorisch organisierten Türstehern, auch über eine provisorisch aufgestellte Tisch-Kasse verfügte. Der gut 10 bis 15 Jahre alt scheinende Computer befand sich samt Kassenbon-Druck-Einheit auf einem Rollwagen, direkt neben der Tür. Es dauerte folglich seine Zeit und kurzzeitig war auch nicht definitiv klar, ob wir unseren Bon an diesem Abend überhaupt noch erhalten würden. Auch hier hätte es einige Clubgänger schon aussortieren können. Doch nicht so mit uns - wir kamen ins nächste Level: die Jackenabgabe. Immer noch standen wir direkt in der Tür und hatten uns folglich seit der Ausweiskontrolle keinen Schritt vorwärts bewegt. Plötzlich stand die Frage nach der Garderobe im Raum...zu Recht, denn weder die Treppe vor uns, noch die Tür hinter uns konnten uns erklären, wo wir unsere Jacken denn abgeben könnten. Einer der beiden Türsteher stürzte plötzlich wie wild die Treppe hinunter in den Keller, um kurz darauf mit 3 Kleiderbügeln in der Hand wieder zu kehren. Auch wieder ein kritischer Moment, schließlich ist das rauf und runter hasten dieser Treppe auf Dauer nicht ganz ungefährlich.
Während dessen stellte ich fest, dass die zeitgleich mit uns eingetroffene kleine Gruppe hinter uns plötzlich nicht mehr da war. Aufgrund des etwas ungewöhnlichen Einlass-Verfahrens, welches nicht zuletzt den ganzen Abend für Running-Gags sorgte und schließlich haupt verantwortlich für diesen Text hier ist, dauerte es doch etwas länger als gewöhnlich. Für einige scheinbar zu lange.
Als wir nun endlich bezahlt und auch unsere Jacken abgelegt hatten (und die Security mit den Kleiderbügeln samt unserer Jacken wieder die Treppe hinunter in den Keller flitzte), wollten wir uns zugleich ins Vergnügen stürzen. Unverhofft öffnete sich eine, bis dahin als solche gar nicht erkennbare, Tür direkt vor uns und ein weiterer Mitarbeiter trat eilig hervor. In der Hand hielt er eine Packung Apfelsaft, auf die er mit großen Augen und der kurzen - an die anderen Türsteher gerichteten - Frage "Apfelsaft??" hinwies. Wir, gerade in unserer Wegfindungsphase, waren von diesem Manöver sofort verwirrt. Schließlich hatten wir nun die Wahl: die Treppe hinauf oder durch die Tür. Wir folgten unserer Intuition und gingen die Treppe hinauf. In mir bestätigte mich der Gedanke, dass es im Zweifelsfall einfacher zu begründen sei, weshalb man eine offene Treppe hinaufging anstatt eine Erklärung dafür finden zu müssen, weshalb man eine (darüber hinaus gut versteckte) Tür öffnete. Zum Glück behielten wir Recht.

Die "Apfelsaft-Aktion" beschäftigte uns darüber hinaus noch einige Male an dem Abend. Zum Schluss stand gar die Theorie im Raum, dass die Frage nach dem Apfelsaft als mehr oder weniger geheimes Erkennungszeichen für die Frage nach den ersten Gästen hätte stehen können, um so im Falle des Eintritts dieses Ereignisses entsprechend reagieren zu können - etwa mit einem Glas Apfelsaft für die ersten Gäste :) Doch die Türsteher lehnten mit einem "Ne nee, wir ham schon!" ab. Dies würde bedeuten, dass wir in der Tat nicht die Ersten waren, wie sich im Anschluss daran auch herausstellen sollte und was die Apfelsaft-Hypothese bekräftigte.

Als wir nun also endlich drin waren, schauten wir uns ganz genau um. Da noch nicht wirklich viel los war, konnten wir uns jede Ecke ganz genau anschauen. Da das Joystick unverkennbar aus Teilen des ehemaligen Staupis besteht, interessierte uns sehr an welchen Stellen abgetrennt worden ist und ob wir die markanten Ecken wieder erkennen würden. Am auffälligsten war dabei der Treppenaufgang des Staupi, wo es früher direkt nach dem Einlass nach oben zur Jackenabgabe und zu diversen Bars ging, während unten die MainArea mit dem Bounce-Club residierte. Im Grunde kann man sagen, dass der gesamte obere Bereich des Staupis, mit Ausnahme der Sitzmulden oberhalb und um die Tanzfläche herum, nun abgetrennt worden ist um unter dem Namen "Joystick" separat Eintritt verlangen zu können. Das war so ziemlich der Punkt, an dem wir uns nämlich etwas verarscht vorkamen. Was früher alles ein Ganzes war, ist nun getrennt. Früher zahlte man beim Staupi 5,- Euro Eintritt für alles, jetzt 7,- Euro für die Hälfte - wie soll denn diese Rechnung aufgehen und auch für die Kunden verständlich sein? Oder war an dem Abend irgendwas Besonderes, das mir einfach entgangen ist? Wohl kaum, schließlich waren wir ja da, um uns alles genau anzuschauen.
Unklar ist bislang jedenfalls, ob die baulichen Abtrennungen dauerhaft sein sollen und nur zu speziellen Anlässen das Joystick geöffnet werden soll. Die Maßnahmen wirkten sehr solide aber nicht so, als wäre es nicht in Kürze wieder rückgängig zu machen. Somit bliebe die Option offen, den Bereich des Joystick bei Bedarf wieder ins Staupi einzugliedern. Dennoch bleibt der derbe Eintrittspreis in schlechter Erinnerung. Zumal es sonst nichts gab, was ihn rechtfertigen sollte. Die Einrichtung war stylisch, was mir hingegen sehr gut gefallen hat. So gut, dass ich mich zwischenzeitlich tatsächlich fragte, ob wir uns noch in Döbeln befinden. Es war nicht zu vergleichen mit dem, was ich bisher von Döbeln kannte und erwartete. Alles wirkte irgendwie bequem und weniger "Disko mäßig", vielleicht genau das was einen Club von einer Disko unterscheidet. Da kenne ich - als Landei - mich ehrlich gesagt nicht aus :) Im Größten der 3 Räume, wovon einer eine Chillout-Bar war, ließen wir uns nieder. Die eine Hälfte des Raumes war Tanzfläche, direkt vorm DJ-Pult. Die andere Seite der Tanzfläche begrenzte eine die Sitzecke, in der wir uns die meiste Zeit befanden. Der Bereich war durch eine Art von der Decke hängende durchsichtige Gardinen von der Tanzfläche abgetrennt. Zum Sitzen gab es für jeden einen Würfel und flache aber breite Tische. Genau das Richtige, um mit einer kleinen Gruppe von bis zu 10 Mann dort einen gemütlichen Abend zu verbringen. Wir waren zu dritt. Dementsprechend langweilig wurde es dann nach einiger Zeit. Zwar füllten sich die Räumlichkeiten zunehmend mit Leuten, aber die Musik wurde nicht besser. Selbst als dann nach einiger Zeit sichtlich ein Mensch hinter dem DJ Tresen stand und auflegte, war nichts vom versprochenen "Elektro Minimal" zu hören. Zumindest nicht das was ich mir bis dahin darunter vorgestellt habe, aber das was lief war definitiv sehr minimal und kaum elektro. Kurze Ausflüge in den House-Floor ließen erkennen, dass auch dort kein wahrer House-Meister auflegte bzw. sich dieser nicht sehr an die House-Ordnung (ja jetzt reicht es mit den Wortspielen) hielt. Zwar vernahm mein Rhythmus-Sinn mittel starke und sich in kurzen regelmäßigen Intervallen wiederholende tiefe Töne, was prinzipiell also der genannten Musikrichtung zuzuordnen wäre, aber auch das war mehr soft als mitreißend - insgesamt also alles ziemlich chillig angehaucht. In der eigentlichen Chillout-Bar wäre ich vermutlich sogar eingeschlafen.

Da sich trotz zunehmender Besucherzahl kein weiterer Bekannter ausmachen ließ, waren wir bis zuletzt ausschließlich auf unsere gegenseitige Gesellschaft angewiesen. So gut wir uns auch unterhielten, irgendwann gingen uns einfach die Themen aus, auch wenn die Stimmung zwischenzeitlich immer wieder mit etwas Galgenhumor an dem an diesem Abend Erlebten, kurz aufflammte. Ich weiß nicht genau wie lange wir durchhielten, aber 3 Stunden waren es auf jeden Fall. Danach tranken wir aus und gingen. Beim Auslass wurden wir dann von der Security gefragt, ob wie einen Stempel wünschten, denn zum Einlass hatten wir keinen bekommen. Nur die Stempeln, die tatsächlich die Lokalität verlassen macht durchaus Sinn und ist umweltfreundlich. Umgewöhnen müssen sich in dem Fall jedoch diejenigen, die den Montag darauf in der Kantine provokativ ihren Stempel zur Schau stellen und auf ein "Mensch, wie war dein Wochenende denn so?" der Kollegen warten. Diese müssten dann zwischendurch eben ab und zu mal raus gehen. Aber auch das ist wieder gut, denn zumindest die Raucher können sich so ja schon mal daran gewöhnen, wenn es ab 2008 heisst: Rauchverbot in Diskos. Übrigens bemerkten wir beim Rausgehen das Preisschild, was uns zuvor nicht aufgefallen war. Darauf Stand zu lesen:

  • Männer: 7,-
  • Frauen: 7,-
  • Sonstiges: 2,-

Sofort erinnerten wir uns an die schwangere Frau, die wir irgendwann an diesem Abend gesehen hatten. Wir wunderten uns noch, ob das der richtige Ort für eine Schwangere sei, so inmitten der Beats und des blauen Dunstes. Inspiriert von der etwas unkonkreten Preistafel, überlegten wir, ob es für die Frau stattdessen nicht besser hätte lauten sollen: Männer, Frauen, Föten. Auch gingen wir der Frage nach, ob sie für ihr Kind ermäßigten Eintritt bezahlte oder ob sie im Falle der Kenntnis über das bevorstehende Geschlecht ihres Ungeborenen womöglich sogar den vollen Preis zu löhnen hatte. Die Meinungen gingen dabei auseinander. Was die Türsteher darüber hinaus noch alles unter "Sonstiges" verstehen, wollten wir dann schon nicht mehr näher beleuchten.

Trotz des insgesamt überwiegend negativen Eindrucks, werde ich in absehbarer Zeit mal wieder hingehen. Schließlich sollte jeder und alles eine zweite Chance kriegen und ich bin gespannt, ob sich einige der bislang noch offenen Fragen klären lassen. Wird die Security das nächste Mal wieder für soviel Spaß im Nachhinein sorgen? Wird der Eintritt wieder teurer sein, obwohl weniger geboten wird, nur weil es als "trendy" oder "stylisch" dargeboten wird? Wird die Abtrennung des Joystick vom Staupi dauerhaft sein und wird die Musik wieder eine Enttäuschung werden? Das alles und noch viel mehr gibt's, wenn ich demnächst mit vielleicht ein paar Leuten mehr und vor allem auch mit mindestens einem Vertreter meines Geschlechts, dem Joystick die Chance gebe, meine Meinung nachhaltig zu ändern.

Gemeinsame Wohnung - Teil 4Urlaub in Las Vegas