Seit 19 Stunden ist er erreicht, der nächste große Meilenstein: genau 1 Jahr ist nun vergangen, seit jenem Tag an dem ich morgens um 04:00 Uhr meine letzte Zigarette geraucht habe. Zu dem Zeitpunkt dachte ich nicht daran, dass es die letzte meines Lebens sein sollte. Ich stopfte mir wie gehabt meine Ration, um den nächsten Tag überstehen zu können. Ich hielt mir Tabak auf Vorrat, schließlich konnten ja mal schlechte Zeiten kommen - gerade im Winter. Und natürlich hatte ich überall im Zimmer Zigaretten versteckt, für den höchst unwahrscheinlichen Fall, dass doch mal alles alle sein sollte. Ja, ich war süchtig. Süchtig nach 30 Kippen pro Tag ... mal weniger, mal mehr.
Dann kam der Tag, an dem ich mich doch recht spontan dazu entschloss, etwas gegen meine Sucht zu unternehmen. Heute blicke ich auf 365 Tage zurück, von denen jeder ein Erfolg war. Ich rauchte maximal noch in meinen Träumen und hatte selbst dabei ein schlechtes Gewissen.
Vor ca. 4 Wochen trat nun auch in Sachsen das "Nichtraucherschutzgesetz" in Kraft, welches den Tabakkonsum in der Öffentlichkeit weitgehend einschränkt. Als ehemaliger Raucher kann ich beide Seiten verstehen, wenn einerseits von Einschränkung der persönlichen Freiheit und andererseits von Gefährdung der Gesundheit bis hin zur Körperverletzung die Rede ist. Letzten Endes jedoch sehe ich für die Raucher kein wirkliches Argument. Aus heutiger Sicht ist Nikotin für mich ganz klar eine Droge, da hab ich mir auch früher schon nicht viel vorgemacht. Allein unter diesem Aspekt betrachtet, rechtfertigt Nichts das Rauchen und entkräftet somit alle Argumente der Raucherfraktion. Es gibt schlicht keine Rechtfertigung dafür, in der Disko zu rauchen und gleichzeitig Nichtraucher dazu zu zwingen, den Qualm einzuatmen.
Doch verstehe ich natürlich auch die Raucher: Wenn man für eine Strasse ohne Tempo-Limit plötzlich eine Geschwindigkeitsbegrenzung einführt, dürften sich auch alle in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen. Fakt ist doch aber, dass bereits in der Vergangenheit eigentlich schon zu viel erlaubt war. Seit dem Bekanntwerden, dass (passives) Rauchen gesundheitsschädlich ist, hätte es bereits verboten oder zumindest der Konsum in der Öffentlichkeit eingeschränkt werden müssen. Es ist natürlich schwierig etwas zu verbieten, was doch so gutes Geld in Form von steuerlichen Einnahmen beschert.
Hätte ich vor einem Jahr nicht den Entschluss gefasst mit dem Rauchen aufzuhören, so denke ich, dass ich mich durch die neuen gesetzlichen Regelungen sicherlich auch angegriffen gefühlt hätte. Allerdings wäre das vielmehr eine Trotzreaktion, denn ich kann ja durchaus meinem Laster weiterhin frönen. Wie bereits oben erwähnt, fällt mir kein standfestes Argument gegen das Rauchverbot ein. Schließlich könnte das Argument der Einschränkung der persönlichen Freiheit genauso für die Nichtraucher angebracht werden.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass ich mich nach einem Jahr als Nichtraucher nun tatsächlich auch mehr als solcher fühle denn als Raucher. Mich stört es nun, wenn meine Arbeitskollegen bei einem Gespräch nach Qualm riechen und begrüße es andererseits, aus dem Kinosaal zu kommen und frische Luft zu atmen. Noch vor kurzem konnte man immer das selbe Szenario beobachten: Vorführung ist beendet, Tür geht auf, Leute mit Kippe im Mund kommen raus und sofort wird das Feuerzeug zum Mund geführt. Bei meinem letzten Kinobesuch vor 2 Wochen, ist mir das, neben der rauchfreien Luft, sofort aufgefallen. Nun ja, schließlich ist es auch noch nicht all zu lange her, wo ich es selbst genauso getan hätte. Ja, es war schon ungewöhnlich, dass der Vorraum im Kino rauchfrei war. Beinahe noch ungewöhnlicher war jedoch, dass nirgends Hinweisschilder "Rauchen verboten" zu finden waren, stattdessen fehlten einfach die Aschenbecher. Darüber hinaus konnte ich keinen ausmachen, der sich nicht daran hielt oder versehentlich aus Gewohnheit rauchte. Ich jedenfalls begrüße das Rauchverbot und freue mich schon auf meinen nächsten Diskobesuch.
Tja, abschließend bliebe die Frage nach dem nächsten Meilenstein ... schließlich braucht man ja immer ein Ziel vor Augen :) Ich denke, der nächste wäre frühestens in einem Jahr zu sehen. Aus diesem Grund wäre es vielleicht sinnvoll nicht nur die Zeit der Abstinenz zu würdigen, sondern zusätzlich auch der nicht gerauchten Zigaretten zu gedenken sowie des gesparten Geldes. Derzeitig liege ich bei ca. 850,- Euro ... vielleicht ist dann der erste Tausender der nächste Meilenstein. Im Übrigens habe ich mein kleines Programm, welches mir u.a. diese Daten errechnet, etwas erweitert. Unter Angabe eines zukünftigen Datums kann man nun sehen, wie viel Geld man bis dahin bereits gespart hat. Andersherum habe ich auf diese Art ermittelt, dass ich 2020 genügend Geld gespart habe, um mir davon ein Auto leisten zu können ... oder wenigstens eine kräftige Anzahlung dafür. Das wird dann auch definitiv als Meilenstein gefeiert