Am Freitag war ich im Kino zum neuen Film von M. Night Shyamalan: "The Happening". Wer Shyamalan kennt, der kennt ihn wegen seiner Filme und wer ihn nicht kennt, der kennt vielleicht trotzdem den ein oder anderen Film von ihm, allen voran dürften das "The Sixt Sense" sowie "Signs" sein. Aber auch "Unbreakable" und "The Village" stammen von ihm. All diese Filme haben etwas gemeinsam: sie heben sich erfrischend von dem Hollywood-Einheitsbrei und "Pro-Amerika-Gefasel" ab. Bestes Negativ-Beispiel jüngster Zeit: "Transformers". Ich sehe durchaus gern Science-Fiction, gerade dann wenn die Trickfilme meine Kindheit bereicherten. Doch was man in dem Film geboten bekam, waren lediglich mittelmäßige Effekte zu deren Gunsten die Handlung zurückstecken musste sowie eine Überdosis US-Patriotismus. Und so war der Film leider voll versaut.
Doch zurück zu Shyamalan: Wie bereits erwähnt unterscheiden sich seine Filme von dem gerade beschriebenen. Shyamalan inszeniert stets ein Szenario, das unabhängig von Ort und oft auch von Zeit ist. Seine Filme könnten an jedem Ort stattfinden und trotzdem funktionieren. Nicht selten liegt der Fokus mehr auf dem Zwischenmenschlichen und die Figuren werden i.d.R. nicht nur oberflächlich beschrieben. Damit sind wir auch schon bei seinem neusten Werk "The Happening".
Worum es geht ist schnell erklärt: Im New Yorker Central Park beginnen sich die Leute plötzlich merkwürdig zu benehmen. Zunächst reden sie wirr und wiederholen ihre Sätze, dann verharren sie plötzlich in ihrer Position und schließlich beginnt sich einer nach dem anderen selbst umzubringen. Da springen z.B. Bauarbeiter vom Hochhaus - andere werfen sich vor Autos oder durchtrennen ihre Halsschlagader mit dem nächst besten Gegenstand.
Die Regierung geht zunächst von einem terroristischen Anschlag aus und vermutet, dass ein spezielles Gas frei gesetzt worden ist, welches die Menschen zu diesen Taten bewegt. Doch bereits als kurz darauf auch in Parks anderer Städte der Umgebung das Gleiche passiert, beginnt man an dieser Theorie als Ursache zu zweifeln.
Die weitere Handlung des Films besteht darin, dass die Flucht eines Ehepaares thematisiert wird, das sich aus Philadelphia aufmacht Richtung Westen, wo dieses Ereignis bislang noch nicht stattgefunden hat. Wer den Film noch nicht gesehen hat, der sollte ab jetzt besser nicht weiter lesen, denn auf die Ursache für den rätselhaften Massensuizid, werde ich gleich genauer eingehen. Und die Kenntnis darüber, bevor man den Film das erste Mal gesehen hat, würde etliches an Spannung rauben.
Achtung: Spoiler
Wie eingangs bereits erwähnt, stehen bei Shyamalan's Filmen nicht selten die handelnden Personen im Vordergrund. Bei "The Happening" ist genau dies auch wieder der Fall. Man erfährt einiges über die Probleme in der Ehe des Paares und zuweilen hat man sogar den Eindruck, als wäre dies wichtiger als das Endzeitszenario, welches nebenbei noch stattfindet. Unterwegs treffen die zwei auf weitere Leute, mit denen sie sich zusammen tun auf ihrer Flucht. Dabei werden die Figuren immerhin so detailliert gezeichnet, das man den Eindruck hat jede Person steht für ein Einzelschicksal und hat irgendwelche Verwandten und Bekannten bereits verloren oder bangt um deren Leben. Das erzeugt eine dichte Atmosphäre, mit der ich mich gut identifizieren konnte.
Schon sehr früh im Film wird die Möglichkeit erläutert, dass die Pflanzen dafür verantwortlich sein könnten. Laut einem sich ebenfalls auf der Flucht befindlichen Pflanzenzüchters, würden sich die Pflanzen durch Absonderung eines bestimmten Nervengases vor dem Menschen schützen wollen. Im Tierreich soll wohl sowas schon "im Kleinen" zu beobachten gewesen sein.
Als ob eine hanebüchene Erklärung nicht bereits schlimm genug wäre - schließlich kannte ich sowas bereits aus "The Village" und war dementsprechend vorbereitet - so wird sie doch tatsächlich noch im ersten Drittel des Films bereits ausgesprochen. So saß ich den Rest des Films im Kinosessel und wartete bis zuletzt auf die "richtige" Ursache. Denn so ist der Film in der zweiten Hälfte eigentlich fast schon langweilig. Die Probleme des, im Bezug zur Endzeitstimmung zwar glaubhaft wirkenden Ehepaares, interessieren irgendwann auch nicht mehr und es kommt einfach nichts an neuen Informationen hinzu. Ich hatte mir bis zuletzt neue Erkenntnisse über die Verbreitung gewünscht oder darüber wen "es" befällt, denn schließlich war kein richtiges Muster zu erkennen, ob es jeden betrifft und was man ggf. dagegen tun kann oder ob manche vielleicht sogar resistent dagegen sind. Da fehlte es meiner Meinung nach intensiv an Stoff, um die Filmlänge zu rechtfertigen. So jedenfalls hätte man auch schlicht einen Kurzfilm daraus machen können. Das Ende war in meinen Augen einfach willkürlich gesetzt - der Film hätte bereits auch schon 30 Minuten eher enden können. Der Spannungsbogen ist vielleicht vergleichbar mit einem Luftballon, der den ganzen Film über kontinuierlich aufgeblasen wird und am Ende passiert: nichts.
Während des Films erwartete ich also bis zuletzt eine andere Erklärung, als die dass die Pflanzen daran Schuld wären. Schließlich bilde ich mir sogar ein den ein oder anderen Ansatz für eine alternative Erklärung entdeckt haben zu wollen. Letzten Endes ließ Shyamalan selbst sogar Raum dafür, denn ein definitives Statement "Die Pflanzen sind Schuld" bleibt bis zuletzt aus.
Vorher kamen für mich zwei Erklärungen in Frage: entweder es handelt sich um Außerirdische, die die Erde einnehmen wollen und statt sich selbst die Finger schmutzig zu machen, diese subtilere Art und Weise bevorzugen. Oder es ist ein Terroranschlag / missglücktes Experiment der Regierung. Die letzteren beiden fasse ich mal zusammen. Jede für sich würde definitiv einen schlechten Film bedeuten und insofern kann man dem Film schon mal zu Gute halten, dass die Auflösung immerhin überraschend ist. Und auch, wenn ich den moralischen Fingerzeig in Richtung Umweltbewusstsein und "Klimaschutz" prinzipiell gut finde, so habe ich mir dennoch mehr erhofft.
Abgesehen von dem enttäuschendem Ende, ist der Film aber durchaus gelungen. Durch den wohl überlegten Einsatz stilistischer Mittel wie z.B. Nahaufnahmen, wird eine dichte Atmosphäre aufgebaut, die immer wieder Schockmomente bereit hält: ich bin mehr als einmal in meinem Sessel zusammen gezuckt. Es ist schon beeindruckend, wie einfacher Wind der durch die Grashalme einer Wiese fährt, für Spannung sorgen kann. In diesem Punkt wurde alles richtig gemacht und auch die Schauspieler können überzeugen. Somit ist für mich "The Happening" zwar nicht der beste Film von Shyamalan, was gemessen an meiner persönlichen Referenz "The Sixt Sense" auch schwer zu erreichen ist, aber dennoch sehenswert und ein Muss für jeden Fan.