Gestern gingen wir wieder ins BBs um unser Frühstück einzunehmen. Wir dachten, aus den Erfahrungen der letzten Tage genügend gelernt zu haben, doch wir wurden eines besseren belehrt. Meine Freundin bestellte sich wieder ihren Bagel und Kaffee, während ich mir wieder Toast bestellte. Als Aufstrich standen Marmelade und Streichkäse zur Auswahl. Obwohl meine Freundin ihre Bestellung wie immer tätigte, bekam sie dieses mal statt einer ganzen Kaffeekanne nur eine Tasse Kaffee. Noch lustiger war es bei mir. Ich bestellte mir wieder Toast und einen Tee dazu. Bis dahin ging ich davon aus, dass bei Bestellung von einem Toast, man auch eine Scheibe Toast bekommt. Ich hatte mich zwar gewundert, weshalb am Vortag bei Bestellung von 3 Toasts, ich nur 2 Scheiben bekam. Da aber auf der Rechnung nur 1 Toast vermerkt war und ich von den 2 Scheiben ganz gut satt geworden bin, habe ich da nicht weiter nach gefragt. Gestern erfuhr dann schließlich die ganze Wahrheit. Wieder bestellte ich 3 Toast. Was bekam ich? 6 Scheiben!! Klar, 1 Toast heißt hier also 2 Scheiben Toast. Wie bitte schön soll man das denn wissen? Stand auch auf der Karte nirgends. Nun gut, jetzt wusste ich immerhin Bescheid. Da die Toastscheiben halbiert serviert werden, zog ich natürlich sämtliche Aufmerksamkeit auf mich, als ich einen Pizzateller voll mit Brot und ein 1 Liter großes Glas Eistee mit Eiswürfeln bekam. Wohlgemerkt: zum Frühstück. Na dann, Mahlzeit :)
Doch warum eigentlich Eistee? Ich hatte versäumt, ausdrücklich "hot tea" zu bestellen. Hier in Las Vegas geht man vermutlich aufgrund der hohen Temperaturen grundsätzlich davon aus, dass der Gast Eistee wünscht, wenn er nicht ausdrücklich etwas anderes sagt. Und da es für die Amerikaner auch grundsätzlich nicht ungewöhnlich ist, bereits zum frühen Morgen Cola oder Eistee zu trinken, bekam ich halt Eistee. Selbstredend war dieser ziemlich süß, wie fast alles hier. Dieses Frühstück werde ich so schnell jedenfalls nicht vergessen.
Nachdem wir das Frühstück einigermaßen gut hinter uns gebracht hatten (die zu viel bestellten Toasts musste ich übrigens nicht alle zahlen, die Bedienung kam uns dabei entgegen) gingen wir zurück aufs Zimmer um unseren aktuellen Tag zu planen. Kurz darauf klingelte das Telefon. Es war der Veranstalter dran, bei dem wir am nächsten Tag einen Helikopter-Rundflug über Las Vegas gebucht hatten. Er ließ sich den Termin von uns noch einmal bestätigen und wir notierten uns die Adresse, an der wir uns dann einzufinden haben. Wir beschlossen anschließend dort hin zu gehen, damit wir am nächsten Tag den Weg gleich finden würden. Laut Beschreibung der Dame am Telefon befindet sich deren Büro in der Nähe des MGM Grand Hotel, wo wir am Tag zu vor noch David Copperfield live erleben durften und damit am anderen Ende des Strips - Gehzeit ca. 45 Minuten, wenn man nicht trödelt.
Wir fanden das Büro des Veranstalters dann trotz Nachfragen doch recht schnell. Wie sich heraus stellte, befand sich dieses in unmittelbarer Nähe zum Flughafen. Da war ich echt erstaunt, plötzlich neben den ganzen Fliegern zu stehen, hatte ich die Busfahrt vom Flughafen zum Hotel doch viel länger in Erinnerung. Der Weg dorthin führte erneut abseits des Strips entlang und auch hier war das Bild von Las Vegas ein ganz anderes, auch wenn es vielleicht nicht ganz so schlimm anmutete wie es bei unserem ersten Abstecher der Fall war. Doch Dreck und herumliegenden Müll sieht man sonst am Strip praktisch gar nicht.
Am Vortag hatten wir uns nach der Copperfield Show noch weitere Tickets geholt. Diese gab es verhältnismäßig günstig, wenn man sie direkt zusammen kauft. Entgegen der sonst üblichen Bauernfängerei "Kauf 2 und du kriegst 1 umsonst dazu", die hier überall anzutreffen ist, war das mal ein wirklich gutes Angebot. Die 3 Tickets umfassten einen Besuch des "Shark Reef", der Titanic-Ausstellung und Karten für eine CSI-Show, bei der man seinen eigenen Fall lösen können soll. Alle drei Veranstaltungen finden am anderen Ende des Strips in und um das MGM Grand Hotel statt.
Da wir nun einmal da waren und die anderen Hotels dort noch nicht gesehen hatten, beschlossen wir zunächst ins "Mandalay Bay" Hotel zu gehen, um uns dort das "Shark Reef" anzusehen. Das Shark Reef ist ein Aquarium, in dem man allerlei Fische aber auch den goldenen Alligator bestaunen kann. Neben Rochen, Quallen und Schwertfischen, waren natürlich gerade die namens gebenden Haie eine Sensation. Ich kann mich nicht erinnern, in meinem Leben schon mal einen echten lebenden Hai gesehen zu haben. Hier im Shark Reef schwimmen diese zudem direkt an einem vorbei, ein schon etwas beängstigendes Gefühl. Am beeindruckendsten fand ich den Abschnitt, wo eine Röhre direkt durch das Haibecken führte. Durch die Röhre ging man als Besucher hindurch und war somit vollkommen von Haien umgeben. Nun konnte man diese auch mal von unten sehen, wenn diese mit ihren großen Zähnen direkt über unseren Köpfen umher schwommen. Leider war der Audio-Guide nur auf Englisch und so verstanden wir viele der Ansagen leider nicht ausführlich genug. Dabei gab es viele interessant aussehende Tiere, zu denen ich gern mehr erfahren hätte. So zum Beispiel die Quallen, die sich mittels dieser pumpenden Bewegung sehr faszinierend fortbewegen.
Nach dem Besuch im Shark Reef plagte uns auch schon wieder der Hunger. Direkt gegenüber vom Mandalay Bay befindet sich ein McDonalds, dem ich ja ohnehin noch einen Besuch schuldete, um den Quarter Pounder zu probieren. Das Geheimnis ist gelüftet: der Quarter Pounder ist das was es bei uns als normalen Hamburger ab 1 Euro gibt. Nur ist dieser in Amerika größer und mit verschiedenen Lagen Fleisch erhältlich. Der Double Quarter Pounder besitzt wie der BigMac 2 Lagen Fleisch, schmeckt aber dennoch anders. Der BigMac besitzt diese typisch würzige Senfsoße, während der Quarter Pounder den gleichen Ketschup wie der bei uns erhältliche Hamburger enthält. Schade, somit scheint es in Amerika den von mir so geliebten Royal TS nicht zu geben.
Frisch gestärkt gingen wir ins benachbarte Luxor Hotel, das ganz im ägyptischen Stil daherkommt. Das Hotel selbst ist eine riesige Pyramide und direkt davor befindet sich als markantestes Wahrzeichen die Sphinx. Auch im inneren wird der ägyptische Stil fortgeführt z.B. durch zahlreiche Hieroglyphen, Statuen und sonstige Abbildungen der ägyptischen Mythologie an Wänden und Böden. Die Hotelzimmer befinden sich ausschließlich in der äußeren Wand der Pyramide, sodass im inneren ein riesiger Raum entstanden ist, wo man von jedem Ort aus die Spitze der Pyramide sehen kann. Das ist schon ein sehr beeindruckendes Bauwerk. Die Architekten müssen ähnliche Wunder vollbracht haben, wie es damals die Pyramidenbauer taten (vorausgesetzt es waren keine Außerirdischen). Es wäre schon mal interessant gewesen zu erfahren, wie dort die Zimmer aufgeteilt sind. Aber auch die Anordnung der Flure, Aufzüge bis hin zu den Notausgängen, muss eine große Herausforderung bei der Planung gewesen sein.
Im Luxor befindet sich unten wieder das für ein Hotel in Las Vegas obligatorische Casino mit den zahlreichen Spielautomaten und Spieltischen. Als Besonderheit bietet das Luxor jedoch u.a. auch eine Titanic-Ausstellung, zu der wir bereits die Karten hatten. Folglich schauten wir uns diese an.
Die Ausstellung warb damit, originale Wrackteile der Titanic aus zu stellen und in der Tat war das nicht übertrieben. Doch dazu gleich mehr. Interessant war bereits der Anfang der Ausstellung, wo eine Kabine der dritten Klasse nachgebildet worden ist. Der Weg dorthin führte durch einen originalgetreu nachgebildeten Gang, in dem oberhalb diverse Rohre verliefen. Schön, dass selbst an die Akustik gedacht wurde: in diesem Gang konnte man die laufenden Schiffsmotoren sehr gut hören, vermutlich war das Schlafen unter diesen Bedingungen nicht ganz störungsfrei möglich. Die Kabinen der dritten Klasse waren darüber hinaus sehr klein und bestanden im Prinzip nur aus 4 Liegen, jeweils übereinander, 2 links und 2 rechts an der Wand. In der Mitte der Gang zur Kabinentür mit einem kleinen herunter klappbaren Tisch an der Schiffsaußenwand. In den Ausführungen war zu lesen, dass in diesen Kabinen der dritten Klasse oft völlig fremde und zum Teil anders sprachige Leute einquartiert gewesen sind. Der Gang und die Nachbildung der Kabine vermittelten so bereits schon einen sehr guten Eindruck von der Wirklichkeit. Viel besser, als man es auf Bildern jemals erfahren würde.
Kurz darauf wurden auch die Kabinen der ersten Klasse vorgestellt, wo erneut eines beispielhaft rekonstruiert wurde. Schön ließ sich der Klassenunterschied erkennen: Die Kabinen der ersten Klasse waren viel geräumiger, hatten ein angrenzendes Bad mit Dusche und WC und insgesamt waren die verwendeten Materialien sehr hochwertig und anmutend. Man kann hier selbst 100 Jahre später noch durchaus von Luxus sprechen.
Ein weiteres Highlight war das nachgebildete Deck der Titanic. Da man natürlich nicht so viel Platz zur Verfügung hatte, um dieses 1:1 abbilden zu können, behalf man sich mittels eines Tricks. Man baute einen etwa 20 Meter langen Abschnitt des Decks nach und platzierte an den Enden Spiegel. Blickte man nun an der Reling stehend nach rechts oder links, hatte man tatsächlich den Eindruck auf einem riesigen Schiff zu stehen. Komplettiert wurde der Eindruck von einem klaren Sternenhimmel ohne Mondschein, wie er in der Nacht des Unglücks auch zu sehen war.
Eine weitere Attraktion der Ausstellung ist die große Haupttreppe des A-Decks sowie die gläserne Kuppel. Beides wurde wieder sehr gut nach gebaut. Jeder der den Film mit Leonardo di Caprio gesehen hat, wird sich mit Sicherheit daran erinnern können. Auf der Treppe kann man sich sogar fotografieren lassen. Obwohl die Bilder wie zu erwarten nicht ganz billig waren, entschieden wir uns trotzdem dafür sie zu nehmen, denn sie sehen sehr schön aus.
Wie eingangs bereits erwähnt werden neben den bereits genannten Highlights allerlei Fundgegenstände ausgestellt, die man aus dem Wrack der Titanic bis dato bergen konnte. Man machte sich auch die Mühe die geborgenen Sachen Personen zuzuordnen. Ich finde das deshalb so bemerkenswert, weil dies dazu beiträgt das Unglück der Titanic nicht als reißerisches Hollywood Spektakel zu inszenieren, sondern statt dessen als menschliches Schicksal. Besonders stark wird dies am Ende der Ausstellung heraus gestellt, als eine große Wand mit Namen der Überlebenden, aber auch der Opfer zu sehen war. Interessant waren hier die Angaben darüber, um welche Personen es sich handelte. So kann man zusammenfassen, dass die meisten Überlebenden der Titanic der ersten Klasse sowie der Besatzung angehörten. Umgekehrt waren die meisten Opfer Passagiere der dritten Klasse, aber ebenfalls auch von der Besatzung. Die gesamte Präsentation der Ausstellung hat mir somit sehr gut gefallen.
Neben dem Steuerrad mit dem der Kapitän in letzter Minute versuchte dem Eisberg auszuweichen, war das mit Abstand beeindruckendste Fundstück ein ca. 8 Meter langes, 4 Meter hohes und 22 Tonnen schweres Stück der Außenwand der Titanic, welches nach jahrelanger Arbeit erst 1998 geborgen werden konnte. Das sogenannte "big piece" wurde anschließend gesäubert und konserviert. In den Bullaugen ist teilweise noch das geborstene Glas drin. Ein wirklich beeindruckendes Stück. Auf einem Bild wurde dessen Position im Rumpf des Schiffes gezeigt. So bekam man einen ungefähren Eindruck davon wie gewaltig groß die Titanic gewesen sein muss.
Meiner Meinung nach eine rund um gelungene und sehenswerte Ausstellung. Angefangen von den Fundstücken über die Präsentation an sich bis hin zur Nachbildung diverser Einzelheiten, hat mich die Titanic-Ausstellung im Luxor Hotel überzeugt. Last but not least sei noch erwähnt, dass sogar ein echter Eisberg ausgestellt ist, den man anfassen kann. Auch dieser trägt dazu bei das Schicksal der Leute begreifbar zu machen, wenn man sich vor Augen führt, dass viele Leute nicht durch den Untergang selbst sondern anschließend durch das eiskalte Wasser an Hypothermie gestorben sind.
Nach diesem beeindruckenden Erlebnis war es bereits dunkel geworden und wir machten uns auf den Weg zurück zu unserem Hotel, welches sich wie bereits gesagt am anderen Ende des Strips befindet und ca. 45 Minuten zu Fuß entfernt ist. Den Rückweg nutzen wir, um Las Vegas zum ersten Mal komplett bei Nacht zu genießen, da wir nahezu an jedem Highlight vorbei kamen, u.a. auch an den Fontänen vor dem Bellagio. Diese waren in der Tat bei Dunkelheit noch mal um einiges schöner anzusehen. Ich hoffe der Camcorder konnte das alles einigermaßen gut einfangen. Die Digicam ist bei dieser Beleuchtungssituation jedenfalls überfordert.